Jena (anw) - Jena bleibt weiterhin auf der Landkarte des deutschen Spitzenfußballs verzeichnet. Das große Minimalziel hat der FF USV Jena erreicht. Die Mannschaft rangiert in der Abschlusstabelle 2011/2012 der Frauen-Bundesliga über dem Strich. Nach sechs Niederlagen in Folge landete das Team am Pfingstmontag im heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld einen überzeugenden 3:0-Sieg gegen den SC Freiburg. Der Klassenerhalt konnte aus eigener Kraft realisiert werden. Mit 18 Punkten aus 22 Spielen und einem Torverhältnis von 16:46 steht Tabellenplatz 10 in der Endabrechnung.
Nach dem umjubelten Klassenerhalt stellten die Fußballerinnen des FF USV Jena den neuen Vereinssong vor, aufgenommen mit der Sängerin Conny Kanik (1. Reihe in Schwarz).
© Foto: anwDieses Fazit sorgte für strahlende Gesichter unter den 1.212 Zuschauern (Saisonrekord bei durchschnittlich 640 pro Heimspiel). „Wir gehören zu den zehn besten Mannschaften in Deutschland", kommentierte ein sichtbar erleichterter Vereinspräsident Dr. Ralf Schmidt-Röh den Saisonausgang. Sein Vize Prof. Werner Riebel durfte sich über ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk freuen, der ehrenamtliche Manager wurde am Donnerstag 75 Jahre alt. Die ausgelassen feiernden Spielerinnen stellten nach Abpfiff den neuen Vereinssong „Rette sich wer kann", aufgenommen mit der Sängerin Conny Kanik, vor. Vivian Beil, die Aufsteigerin des Jahres im Team, beantwortete mit leuchtenden Augen die Reporterfragen. Die erst 16-jährige hat vor allem in der Rückrunde ihr fußballerisches Potenzial unter Beweis gestellt. „Für mich war die Saison ein großer Lernprozess", durfte sich das Jenaer Eigengewächs auch über ihre eigene Leistung freuen. Für Vivian ist die Saison noch nicht abgeschlossen. Sie wird mit dem deutschen Team bei der EM-Endrunde der U 17-Juniorinnen Ende Juni in der Schweiz um den Titel spielen.
Wie schon in der vorherigen Spielzeit musste der Verein einen Trainerwechsel verkraften. Monika Voss-Tecklenburg nutzte eine Vertragsoption und übernahm zu Beginn der Rückrunde die Schweizer Frauennationalmannschaft. Assistenztrainer Daniel Kraus, der kurzfristig bereits ein Jahr zuvor die Mannschaft übernommen hatte, durfte nun das Team mit der neu verpflichteten Co-Trainerin Katja Greulich führen. Allerdings musste der neue Cheftrainer in den ersten beiden Monaten seiner Amtszeit den vom DFB geforderten A-Trainerschein in der Sportschule Bad Hennef erwerben. „Wir müssen die Zeit jetzt nutzen, um zu analysieren, woran es krankte", bezog Kraus sich auf die für alle Beteiligten so nervenaufreibend verlaufende Rückrunde. Man möchte, lautete vorausblickend sein Wunsch, „vielleicht nicht wie in diesem Jahr bis zum letzten Spieltag auf den Klassenerhalt warten“ müssen. Siege über die SG Essen-Schönebeck (2:1) und auswärts beim SC 07 Bad Neuenahr (1:0), ein 1:1 beim Hamburger SV und der Sieg am letzten Spieltag stehen in Kraus' Bilanz. Wie auch das 0:7-Debakel beim VfL Wolfsburg (Voss-Tecklenburg hatte eine solche Klatsche im Heimspiel gegen Turbine Potsdam hinnehmen müssen) und eine Serie von sechs Niederlagen in Folge ab Spieltag 16. Die Mannschaft spielte zum Teil guten Fußball und bestrafte sich selbst mit ausgeprägter mentaler Anfälligkeit. Der berechtigte Verweis auf mehrere krasse Benachteiligungen durch die Schiedsrichterinnen (bei Lok Leipzig und Bayern 04 Leverkusen) hilft nicht wirklich weiter in der Saisonanalyse. Die Mannschaft agierte insgesamt zu instabil. Auch beim Sieg über Freiburg musste der Beobachter völlig unnötige Aussetzer bei Ballkontrolle und Passspiel registrieren. Ausgesprochen peinlich sticht dabei die 1:2-Schlappe beim einzigen Absteiger in diesem Jahr, Lok Leipzig, heraus. Chancen für drei Spiele, keine Geschlossenheit und erneuter Rückstand nur eine Minute nach dem überfälligen Ausgleich kurz vor Abpfiff, selbstverschuldet brachten sich die Jenaerinnen in die Bredouille. Hätte der HSV nicht vor dem Saisonfinale seinen Rückzug aus der Bundesliga bekannt gegeben und zusätzlich der Spielplan geholfen - Lok musste im letzten Spiel beim nur mit einem Punkt vorn liegenden Titelverteidiger Potsdam antreten -, wer weiß, ob das Team dem nervlichen Druck eines Abstiegskrimis hätte standhalten können.
Die 18 Saisonpunkte stehen für einen erneuten Rückgang. Seit 2008/2009 spielt ununterbrochen (sic!) der FF USV in der deutschen Eliteliga. Von 23 Punkten fiel die Ausbeute auf 21 und 19. Die aktuell 16 Saisontore bedeuten ebenso einen radikalen Rückgang (32/31/24). Dass Genoveva Anonma, die nach ihrem Wechsel 2011 zum Seriensieger Potsdam mit 22 Treffern sofort zur Torschützenkönigin der Liga avancierte, nicht zu ersetzen sein würde, war klar. Hinzu kam eine langwierige Verletzung von Stürmerin Sylvia Arnold, der nominelle 1-Frau-Sturm mit Neuzugang Amber Hearn (mit 5 Toren beste Torschützin im Team), gleich mit welcher Besetzung ergänzt, war häufig schlicht überfordert.
Dieser eindeutige Trend verheißt für die kommende Spielzeit zunächst einmal nicht mehr als das überaus ehrgeizige Ziel Klassenerhalt. Jena muss dringend seine Offensivqualität verbessern. Jena muss es schaffen, die Fehlerquote in unbedrängten Situationen deutlich zu reduzieren, die Handlungsschnelligkeit zu erhöhen, damit die spielerischen und kämpferischen Potenziale der Mannschaft zum erneuten Gesamterfolg führen können. Auf das Vereinschef Schmidt-Röh auch in zwölf Monaten verkünden darf: „Wir gehören zu den zehn besten Mannschaften in Deutschland."
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