Suhl (wotan) - Am 29. Juni 2012 stellte die IHK Südthüringen ihre Standortanalyse vor, in welcher 550 Unternehmen 40 allgemein anerkannte Standortfaktoren einschätzten, positiv die Erreichbarkeit über Straße und Internet bewerteten und als größtes Problem die Kosten für Strom und Gas benannten.
Im Zeitraum vom 20. Oktober bis zum 10. November 2011 hat die IHK Suhl knapp 5.000 Unternehmen des Kammerbezirks per Fragebogen gebeten, ihre Standortzufriedenheit einzuschätzen. 550 Rückantworten gingen ein, was einer Quote von elf Prozent entspricht, keine berauschende Resonanz, aber dennoch ein repräsentatives Ergebnis. Allerdings fiel der Rücklauf aus dem Landkreis Hildburghausen „etwas verhalten“ aus. Haben unsere Unternehmer keine Meinung oder keine Zeit, den dreiseitigen Fragebogen auszufüllen?
Zu den vorgegebenen Standortfaktoren wurden sowohl die Bedeutung als auch die Zufriedenheit abgefragt. Für 50 Prozent der Südthüringer Unternehmen überwiegen die Standortvorteile, 41 Prozent entschieden sich für „weder noch“ und lediglich neun Prozent sahen überwiegend Nachteile. Allerdings benoteten nur 46,1 Prozent den Wirtschaftsstandort mit „sehr gut“ oder „gut“. Nach der Wichtigkeit der Standortfaktoren kristallisierten sich folgende Top zehn heraus: Überregional erreichbar über Straße, DSL-Verfügbarkeit/Breitbandanbindung, Strom- und Gaspreise, Personalkosten, Verfügbarkeit Facharbeiter, Gewerbesteuer, Lebenshaltungskosten, Berufliche Ausbildungseinrichtungen, Wasser-/Abwassergebühren und Verkehrsführung/Parkmöglichkeiten.
22,8 Prozent der Unternehmen des Landkreises Hildburghausen waren mit der überregionalen Erreichbarkeit per Straße sehr zufrieden und 69,6 Prozent zufrieden, wogegen bei der DSL-Verfügbarkeit noch Verbesserungsbedarf gesehen wurde. Bei der Zufriedenheit mit dem öffentlichen Personennahverkehr rangierte der Landkreis an der letzten Stelle, was auf die noch nicht vertragsgerechten Standards infolge fehlender Rechtssicherheit für den neuen Betreiber zurückzuführen war. Bei der Verkehrsführung und den Parkmöglichkeiten erreichte der Landkreis Hildburghausen das zweitbeste Ergebnis nach dem Ilmkreis. Bei der Verfügbarkeit von Hilfskräften waren nur 40 Prozent der Unternehmen des Landkreises zufrieden, was auf die sehr niedrige Arbeitslosenquote zurückzuführen ist. Gleiches galt bei der Verfügbarkeit von Facharbeitern, die nur 29 Prozent unserer Unternehmen als zufrieden einschätzten. Die Nachfrage nach kaufmännischen Fachkräften war im Landkreis Hildburghausen stärker angespannt, als in den anderen Regionen Südthüringens, 50 Prozent zeigten sich weniger zufrieden oder unzufrieden. Hingegen beurteilten 52,7 Prozent die Verfügbarkeit von Ingenieuren positiv, welches den Spitzenwert in Südthüringen darstellte, ebenso wie die Verfügbarkeit von Führungskräften mit 54,9 Prozent.
Mit der Unterstützung bei der Gewinnung von Fachkräften durch die Arbeitsagenturen waren die Unternehmen des Landkreises nach Sonneberg am unzufriedensten, was mit den niedrigen Arbeitslosenzahlen in Verbindung steht.
Bei den Personalkosten beklagten unsere Unternehmen, dass sie wegen der Konkurrenz zum fränkischen Raum Lohnaufschläge zahlen mussten, um Personal zu halten oder zu gewinnen. Mit der Gewerbesteuer waren nur 41,6 Prozent der Unternehmen zufrieden. Das ist der niedrigste Wert im Kammerbezirk, gleiches gilt für die Grundsteuer, die nur 46,1 Prozent zufrieden beurteilten. Bei den Wasser- und Abwassergebühren hat der Landkreis Hildburghausen mit 26,9 Prozent die höchste Unzufriedenheitsquote, welche auch auf die geplante Einführung einer Niederschlagsgebühr zurückzuführen ist. Im Landkreis betrachteten 66,7 Prozent der Unternehmen die Müll- und Entsorgungsgebühren als Belastung, dagegen waren 61,3 Prozent mit den Büro- und Gewerbemieten zufrieden, 51,6 Prozent äußerten Zufriedenheit über die Kosten für Gewerbeflächen/-immobilien, das war nach Suhl der schlechteste Wert.
Die Unternehmen des Landkreises Hildburghausen sind von der Höhe der Strom- und Gaspreise am stärksten betroffen, nur 13,9 Prozent zeigten sich zufrieden. Eine besonders gute Bewertung erhielt das Angebot an allgemeinbildenden Schulen in unserem Landkreis, 85,9 Prozent waren sehr zufrieden beziehungsweise zufrieden. Die beruflichen Ausbildungseinrichtungen wurden zu 75 Prozent mit sehr zufrieden oder zufrieden eingeschätzt. Beim Image des Landkreises lagen wir mit 56,5 Prozent vor Suhl auf dem vorletzten Platz (!). Die DSL-Verfügbarkeit beziehungsweise Breitbandanbindung wurde mit 59,5 Prozent Zufriedenheit in unserem Landkreis als Standortnachteil beurteilt. Auch die Verfügbarkeit von Wohnraum lag mit einem Zufriedenheitswert von 65,2 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt.
Bei den Einkaufsmöglichkeiten lagen wir mit 73,3 Prozent Zufriedenheit an vorletzter Stelle, waren beim Kinderbetreuungsangebot mit 81,5 Prozent aber gut dabei. Mit der Umweltqualität waren die Unternehmen des Landkreises neben Sonneberg nicht so zufrieden, wie in den anderen Südthüringer Landkreisen. Das Kulturangebot unseres Landkreises war mit 38,9 Prozent absolutes Schlusslicht und erschien stark verbesserungsbedürftig, ebenso die Sport- und Freizeitmöglichkeiten mit 56,2 Prozent Zufriedenheit. Nach Sonneberg hatten wir mit 57,6 Prozent Zufriedenheit den niedrigsten Wert bei den Lebenshaltungskosten, lagen dafür bei der Verfügbarkeit neuer Gewerbeflächen mit 85,4 Prozent an der Spitze. Verbesserungswürdig war die hohe Unzufriedenheit mit der kommunalen Wirtschaftsförderung, welche mit 60,6 Prozent den Negativrekord in Südthüringen darstellte.
Die IHK Südthüringen hat 500 Exemplare der Standortanalyse Südthüringen drucken lassen und wird diese in den kommenden Wochen mit den Landräten, Oberbürgermeistern und Bürgermeistern beraten und gemeinsam Vorschläge erarbeiten, den Standort Südthüringen noch attraktiver und wettbewerbsfähiger zu machen.
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